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06. September 2010
 

Länderspiegel

 
samstags, 17.05 Uhr
Café "cosisuca" in Berlin-Neukölln. Quelle: ZDF
Chic, jung und trendig - Läden wie das "cosisuca" verändern Neukölln.

Berlin

Kultur im Kiez

Die Szene entdeckt Neukölln

Im Berliner Stadtteil Neukölln vollzieht sich ein erstaunlicher Wandel. Der ehemalige Problembezirk ist zu einem Treffpunkt der Szene geworden: Kunst und Kultur siedeln sich an und verleihen dem Viertel neuen Chic. Die Arbeit der Städteplaner trägt damit die ersten Früchte.

 
 
 
 

Eigentlich waren es die niedrigen Mietpreise und vielleicht auch ein bisschen Nervenkitzel, die Silke Rölling und Corinna Bahls nach Neukölln führten. Hier sollte er Realität werden, ihr Traum vom eigenen Laden.

Straße in Berlin-Neukölln. Quelle: ZDF
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Buntes Nebeneinander im Kiez - Multi-Kulti in Neukölln.

Zwischen Dönerbuden und zwielichtigen Wettstuben eröffneten die beiden Juristinnen aus Marburg ihr Suppen-Lese-Café "cosisuca". Kultur und Kulinarisches - mit dieser Idee sind die beiden in Neukölln inzwischen nicht mehr allein. "Wir haben wirklich von Anfang an gemerkt, dass hier wahnsinnig viel passiert", sagt Silke Rölling: "Hier kommt eine gewisse Aufbruchstimmung auf."

Neuer Wind im Problemkiez

Auch Jutta Teschner zog es mit ihrem Geschäft "Fishbelly Dessous" aus der Stadtmitte nach Neukölln. Die Kunden kaufen auch hier ihre teuren Dessous - und der Stadtteil gefällt der Designerin gleichzeitig viel besser: "Hier passiert viel mehr als in Mitte, da ist es inzwischen doch etwas eingeschlafen."

 
Dessousgeschäft in Berlin-Neukölln. Quelle: ZDF
ZDF
Von Berlin-Mitte nach Neukölln gezogen - Designer-Unterwäsche im "Fishbelly-Dessous".

Die großen Einkaufsketten hätten den Stadtteil zu kommerziell gemacht, die Mieten seien inzwischen kaum noch zu bezahlen. Neukölln ist da anders - günstiger, unangepasster und multikultureller. Noch, denn seit die Szene Neukölln entdeckt hat, steigen auch hier die Mieten.

 

Kritik am Konzept

Nicht allen gefällt der Wandel, den Neukölln durchläuft. So beklagen sich viele Alteingesessene über die steigenden Preise und beäugen kritisch die Yuppies, die Einzug in ihren Kiez halten. Maria Richardz ist trotzdem von ihrer Vision überzeugt.

Stadtplanerin Maria Richardz. Quelle: ZDF
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Stadtplanerin Maria Richardz plant den Wandel.

Die Stadtplanerin ist verantwortlich für den Wandel, der hier stattgefunden hat: "Natürlich gab es in Neukölln Probleme, aber auch viele Ressourcen, die man zur Sprache bringen musste." Deshalb sprachen Richardz und ihre Kollegin mit Vermietern und jungen Unternehmern - und brachten so letztlich beiden Seiten zusammen.

Positiver Blick in die Zukunft

Bislang profitierte Neukölln bei seiner Entwicklung stark von staatlicher Unterstützung. Seit 1999 erhält der Stadtteil Geld aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt, weil er als "Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf" gilt. Auch Gelder der Stadt Berlin und der EU sorgen mit für den Aufschwung. Durch sie wurden unter anderem Existenzgründungen gefördert. Künftig könnte aber vor allem die Nähe zum ehemaligen Flughafen Tempelhof für eine weitere Aufwertung des gesamten Stadtviertels sorgen.

 

Immerhin plant der Berliner Senat hier viele neue hochwertige Wohnungen samt riesigem Park. Bis dahin ist Neukölln vermutlich schon längst kein Geheimtipp mehr, wie damals, als Silke Rölling und Corinna Bahls das "cosisuca" eröffneten. Silke Rölling sitzt in ihrem Suppen-Lese-Café und blickt entspannt auf die Straße: "Man merkt einfach, dass sich etwas tut und es ist sehr spannend, dass wir dabei sind."

 
 
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